Honda EV FUN Concept: E-Honda auf Europatour

Honda EV FUN Concept: Was die Europa-Tests wirklich verraten
Honda zeigt sein EV FUN Concept erstmals ausgiebig auf öffentlichen Straßen in Europa. Das Mittelklasse-Nakedbike soll als erste „full-size“ Elektro-Honda Fahrspaß mit Alltagstauglichkeit verbinden. Was steckt hinter den neuen Fahraufnahmen – und wie nah ist die Serie?
Die Bilder sprechen eine klare Sprache: Das EV FUN wirkt nicht mehr wie ein reines Messestück, sondern wie ein weit gediehenes Entwicklungsfahrzeug. Honda lässt das Konzeptbike auf Landstraßen und im Stadtverkehr laufen, begleitet von Kameras – ein Signal, das der Konzern traditionell erst sendet, wenn Fahrdynamik, Thermik und Abstimmung einen belastbaren Reifegrad erreicht haben. Optisch bleibt das EV FUN der Naked-DNA treu: kompakte Proportionen, aufrechte Ergonomie, schlanke Flanken. Die Linienführung zitiert moderne Honda-Elemente, ohne sie zu kopieren – eigenständig, aber eindeutig aus der Familie.
Technisch hält sich Honda weiter bedeckt, bestätigt jedoch zwei Kernthemen: fest verbauter Akku und CCS2-Schnellladen. Letzteres ist mehr als ein Detail – die Kompatibilität zu gängigen europäischen DC-Schnelladern könnte langen Ladepausen den Schrecken nehmen und das Nutzungsprofil über die Stadt hinaus weiten. Ein Wechselakku hätte zwar Logistikvorteile, bremst aber das Packaging; Honda geht den Weg der strukturellen Integration und gewinnt so Bauraum für Kühlung, Steifigkeit und Schwerpunktlage.
Beim Fahren verspricht der Hersteller ein vibrationsarmes, direktes Feedback. Genau hier liegt die Herausforderung: Elektro-Bikes riskieren, emotional „zu sauber“ zu wirken. Hondas Ansatz: die Balance aus Ruhe im Antrieb und präziser Gasannahme, gepaart mit einem Chassis-Setup, das die Nähe zur Verbrenner-Welt nicht leugnet. Entwicklungsleiter und Testrider Masatsugu Tanaka – mit Historie von Supersport bis Tourer – steht für dieses Feingefühl. Dass ein solches Profil aufgesetzt wird, deutet auf Ambitionen über die Pendlerrolle hinaus: Das EV FUN soll Spaßmaschine und Alltagsgerät sein.
Offen bleiben die harten Zahlen: Leistung, Kapazität, Gewicht, Reichweite, Preis. Aus Herstellersicht ist das sinnvoll – die Kennwerte werden häufig bis kurz vor Serienfreigabe optimiert. Für die Einordnung reicht: Mittelklasse-Leistungsfenster, urban-landstraßentaugliche Reichweite, und ein Lade-Setup, das Fernpendler nicht zwingt, zuhause nachzurüsten. Strategisch fügt sich das EV FUN in Hondas Dekarbonisierungs-Roadmap ein: nicht als exotisches Leuchtturm-Projekt, sondern als skalierbares Modell in einem Massenmarkt-Segment.
Ausblick
Mit den Europa-Tests verschiebt sich die Erwartung vom „ob“ zum „wann“. Rechnen darf man mit einem Rollout der finalen Daten rund um die Herbst-Messen. Bis dahin liefern die Fahraufnahmen das, was zählt: den Nachweis, dass Hondas „FUN EV“ nicht nur Konzept, sondern Perspektive ist.



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