Abenteuer Himalaya: Mit Royal Enfield über das Dach der Welt – FINALE
Teil 7:
Abschied vom Himalaya – was bleibt, wenn der Staub sich legt
Die letzten Kilometer auf dem Motorrad fühlen sich seltsam an. Nicht, weil sie weniger spektakulär wären. Sondern weil ich weiß: Es ist das letzte Mal. Das letzte Mal diese Maschine spüren. Das letzte Mal diesen Wind riechen. Diesen Staub schmecken.
Wir fahren zurück Richtung Manali, dann weiter über Chandigarh, von wo es per Transport zurück nach Delhi geht. Alles wird lauter. Wärmer. Flacher. Weltlicher.
Ich beginne zu realisieren, was diese 16 Tage mit mir gemacht haben.
Der Blick nach innen
Ich kam hierher, weil ich hoch hinaus wollte. Ich wollte Abenteuer, Landschaft, Grenzerfahrung. Ich wollte “diese eine Geschichte”, die man sich erzählt, wenn es ruhig wird.
Und ich habe sie bekommen. Aber anders, als ich dachte.
Ich habe Höhen erlebt – geografisch, körperlich, seelisch. Aber auch Tiefen. Ich habe mich gefürchtet. Geflucht. Mich gefragt, was ich hier eigentlich tue. Ob ich zu viel will. Zu weit gehe.
Aber genau da – in diesem Grenzbereich – passiert etwas. Etwas Echtes.
Du verlierst die Angst, wenn du sie oft genug anschaust.
Du verlierst dein Ego, wenn du auf Hilfe angewiesen bist.
Du verlierst die Kontrolle – und gewinnst dafür Vertrauen.
Die Menschen

Ich habe sie noch vor mir:
Den Fahrer aus Manali, der nie leise war, aber immer zur Stelle.
Den Amerikaner, der sein Bike so oft ablegte wie seinen Humor.
Den stillen Süd Koreaner der nur dann sprach, wenn’s wichtig war.
Den Mann aus Kerla, die sich nie beschwerte – auch nicht nach drei Stürzen.
Und den Mechaniker aus Ladakh, der mit einem Hammer Dinge reparierte, für die wir in Europa ganze Werkstätten bräuchten.
Sie alle waren Teil dieser Reise.
Und ohne sie – wäre sie nicht dasselbe gewesen.
Die Maschine

Und dann war da noch die Himalayan 450.
Kein PS-Monster. Kein blinkendes Technik-Wunder.
Aber: ein verlässlicher Begleiter.
Sie hat geschoben, getragen, gewackelt, geruckelt.
Sie hat durchgehalten. Mich durchgebracht.
Wir sind gemeinsam gefallen. Gemeinsam wieder aufgestanden.
Und irgendwann habe ich aufgehört, über sie nachzudenken.
Weil sie einfach da war.
Wie ein guter Freund.
Oder ein Stück von mir selbst.
Der letzte Morgen in Delhi
Wieder zurück in der Hauptstadt. Der Verkehr hat mich wieder. Die Geräusche, die Gerüche, das Hupen – alles ist wie vorher. Aber ich bin es nicht mehr.
Ich sitze in einem kleinen Café, trinke einen letzten Chai. Und schreibe diese Zeilen.
Ich sehe mein dreckiges Motorrad auf einem Truck verladen. Sehe Touristen mit Rollkoffern. Und dann schaue ich auf meine Stiefel voller Staub, mein Herz voller Bilder und meine Seele voller Stille.
Fazit – was der Himalaya lehrt

Diese Reise war kein Urlaub.
Sie war kein Instagram-Moment. Kein „schnell mal weg“.
Sie war eine Einladung zur Ehrlichkeit.
Ein Spiegel. Ein Lehrer. Ein Prüfstein.
Der Himalaya stellt keine Fragen. Er gibt auch keine Antworten.
Aber er zeigt dir, wer du bist – wenn es hart wird.
Wenn du nass bist, müde, hungrig und auf 5.000 Metern den Weg verlierst.
Dann zählt kein Status, kein Titel, keine Marke.
Dann zählt nur: Du.
Epilog: Freiheit hat viele Formen

Vielleicht ist es genau das, was ich gesucht habe – ohne es zu wissen.
Eine Form der Freiheit, die nicht laut ist.
Nicht perfekt. Nicht planbar. Aber echt.
Freiheit, die sich anfühlt wie kalter Wind im Gesicht.
Wie warmer Chai in den Händen.
Wie Schlamm an den Stiefeln und Staub in der Seele.
Und vielleicht ist das Schönste daran:
Ich habe sie nicht nur erlebt.
Ich habe sie mitgenommen.
Denn diese Freiheit fährt nicht auf zwei Rädern.
Sie fährt mit mir – in mir – weiter.
Wohin auch immer.
Dies ist der letzte Teil eines mehrteiligen Reiseberichts aus dem Himalaya von Meli Schönbrodt (Kettenöl & Ravioli). Wenn dir die Reisegeschichte gefällt oder du ein ähnliches Abenteuer erlebt hast, du Fragen an den Autor oder uns hast, dann lass uns gerne einen Kommentar da oder schreib eine Email.



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