EICMA 2025 – der Pariser Salon des Zweirads wird elektrisch und abenteuerlustig


Die EICMA ist seit Jahren das mit Abstand schillerndste und wichtigste Schaufenster der Motorrad‑ und Scooter‑Industrie. Bei der 82. Ausgabe der Messe, die vom 4. bis 9. November 2025 in den Messehallen der Fiera Milano stattfand, präsentierten Hersteller aus aller Welt ihre Neuheiten. Die diesjährige Ausgabe machte deutlich, in welche Richtungen sich die Branche bewegt: Elektrifizierung und Digitalisierung auf der einen, leichte Adventure‑Motorräder und Retro‑Modelle auf der anderen Seite.

Elektrische Neuheiten: von der leichten Urban‑Maschine bis zum High‑Performance‑Superbike

Die EICMA 2025 war geprägt von einer Vielzahl elektrischer Zweiräder. Besonders das Segment der urbanen Leichtkrafträder wuchs stark.

AJP Fulgora – Portugals Einstieg in die Elektrowelt



Der portugiesische Enduro‑Spezialist AJP zeigte mit der Fulgora seinen ersten Elektro‑Straßenflitzer. Der minimalistische E‑Scrambler setzt auf einen heckseitig im Radnabenmotor montierten Antrieb mit 8 kW Dauerleistung und 16 kW Spitzenleistung. Damit soll das nur 140 Kilogramm schwere Bike immerhin 125 km/h SPitzengeschwindigkeit erreichen können. Die fest verbaute 72‑Volt‑Batterie besitzt laut Hersteller 11,23 kWh Kapazität und damit alltagstaugliche Reichweiten von 200–250 Kilometern im Stadtverkehr und rund 150 Kilometern im Mix. Dank A1‑Homologation richtet sich die Fulgora typischerweise an Wiedereinsteiger und Fahranfänger. Eine Ladung Elektronen mit 3 kW füllt den Akku in rund 3,5 Stunden und ein Typ‑2‑Ladeanschluss ermöglicht das Laden an öffentlichen Säulen. Ergänzend zur Standardversion präsentierte AJP eine Scrambler‑Variante mit 30 Millimetern mehr Bodenfreiheit und grobstolligen Reifen.

Lambretta Elettra S – klassische Form trifft moderne E‑Technik

Nach dem ersten E‑Roller vor zwei Jahren erstmals als Konzeotstudie gezeigt wurde zeigt Lambretta das elektrische Modell nun erstmals auch live und stellte den Elettra S vor. Das Modell kombiniert das klassische Stahlblech‑Design mit einem 4‑kW‑Synchronmotor (Spitze 6 kW) und liefert satte 101 Nm Drehmoment. Der Roller rollt in 10 Sekunden auf 40 km/h und erreicht 90 km/h Spitze. Eine 4,5‑kWh‑Lithiumbatterie erlaubt bis zu 120 km Reichweite; das Laden an der heimischen Steckdose dauert rund 5 Stunden, per Schnellladung von 20 auf 80 Prozent knapp über drei Stunden. Drei Fahrmodi, LED‑Beleuchtung, TFT‑Display und ein auf 132 kg reduziertes Gewicht runden das Paket ab. Der Elettra S soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 zu einem Preis von etwa 6.500 Euro auf den Markt kommen.

Auch Royal Enfield elektrisiert, Verge kraftmeiert weiter

Royal Enfield stellt die seriennahe Flying Flea FF.S6 vor



Auch Royal Enfield meldete sich mit dem Elektro‑Scrambler Flying Flea FF.S6 zu Wort. Das Modell erinnert an die während des Zweiten Weltkriegs per Fallschirm abgeworfenen Motorräder. Der FF.S6 besitzt einen kommt mit Upsidedown-Gabel, 19‑Zoll‑/18‑Zoll‑Radkombination, einem robusten Magnesium‑Batteriegehäuse und einem kreisrunden Touchdisplay. Eine hochmoderne Elektronik – inklusive Kurven-ABS, Sprachsteuerung, Snapdragon‑Prozessor und Connectivity‑App soll die Scrambler‑Optik mit den modernen Vorzügen digitaler Vernetzung verbinden.

Der finnische Hersteller Verge stellte die zweite Generation seines Superbikes TS Pro vor. Der neue, im Felgenring untergebrachte Motor ist nach Angabe der Finnen 50 % leichterund liefert satte 1.000 Nm Drehmoment – der Spurt auf 100 km/h gelingt nach eigenen Angaben in 3,5 Sekunden – was vor allem an der Traktionskontrolle liegen dürfte. Die Reichweite soll auf bis zu 350 km steigen und ein Schnellladevorgang nur 35 Minuten dauern (von 20% auf 80%).


Verbrenner bleiben relevant: Adventure‑Boom und Retro‑Renaissance

Trotz der Elektrifizierung dominieren weiterhin klassische Verbrenner die Messe – allen voran Adventure‑Bikes und Retro‑Modelle. Die wichtigsten Debüts:

Benelli, BMW und BSA – Abenteuer für Einsteiger und Fortgeschrittene

Benelli brachte gleich mehrere Neuheiten: Die TRK 602 X löst die TRK 502 ab und kombiniert einen 554‑ccm‑Parallel‑Twin (56 PS) mit längerer Federweg und 19/17‑Zoll‑Rädern. Mit 5‑Zoll‑TFT‑Display, Connectivity und abschaltbarer Traktionskontrolle soll sie Ende 2025 in Europa erscheinen. Für Fernreisende gibt es darüber hinaus die neuen TRK 902 Stradale und TRK 902 Xplorer, die mit 95 PS starkem 902‑ccm‑Twin, Speichenrädern und bis zu 170-mm Federweg Auf Reise gehen sollen.

BMW stellt die Serienversion der F 450 GS vor

Der aus Indien stammende 420‑ccm‑Parallel‑Twin erzeugt 48 PS. Auffällig ist der 135‑Grad‑Kurbelwellenversatz der dem Motor eine Einzylinder‑ähnliche Charakteristik verleihen soll. Der 19/17‑Zoll‑Radsatz richtet sich weniger an Hardcore‑Offroader als an eine vielseitige Zielgruppe, die sich ganz im Sinne der sehr großen Schwester, weder ausschließlich auf Off- noch Onroad festlegen möchten. BMW bringt die F 450 GS voraussichtlich 2026/27 in die Showrooms.

CFMoto, Ducati und Honda – starke Technik aus China, Italien und Japan



Der chinesische Hersteller CFMotostellte mit der 1000MT‑X seinen bislang größten Adventure‑Tourer vor. Der neue 946‑ccm‑Parallel‑Twin leistet 83 kW (111 PS) und 105 Nm Drehmoment. Ein 22,5‑Liter‑Tank soll über 450 Kilometer Reichweite ermöglichen. Modernste Ausstattung – KYB‑Fahrwerk, Brembo‑Bremsen, 6‑Achsen‑IMU, 8‑Zoll‑TFT‑Touchdisplay, Quickshifter, Heizgriffe, Sitzheizung und Tempomat – gehören zur Serienausstattung. Als Konzept zeigte CFMoto außerdem die V4 SR‑RR mit einem 997‑ccm‑V4‑Motor ,der laut Hersteller über 210 PS leisten soll – ein Hinweis auf Ambitionen im Superbike‑Sektor. 

Bei Ducati stand das Thema „V2“ im Fokus. Die Italiener präsentierten die Hypermotard V2 und die V2 SP, die mit einem neuen 120‑PS‑V‑2‑Motor, leichterem Rahmen und Öhlins‑Fahrwerk das Supermoto‑Segment anheizen. Auch die DesertX V2 wurde für 2026 angekündigt: Der 110‑PS‑Motor sitzt in einem kompakteren Aluminium‑Monocoque und reduziert das Gewicht um rund 9 Kilogramm. 

Auch Hondaspielte die Innovationskarte und zeigte den V3R 900 E‑Compressor: eine 900‑ccm‑V3‑Konzeptstudie mit elektronischem Kompressor, die die Leistung eines 1.200‑ccm‑Motors verspricht. Zusätzlich kündigte Honda die Serienversion der CB1000GT an, eine verkleidete, tourentaugliche Version der CB1000 Hornet, sowie seine E‑Clutch für mehrere Modelle, unter anderem auch für die Honda Transalp.

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