Abenteuer Himalaya: Mit Royal Enfield über das Dach der Welt – Teil 3
Die härteste Etappe – von Padum nach Leh: 300 Kilometer gegen den Widerstand
Eigentlich war der Plan einfach. Von Padum nach Leh – rund 200 Kilometer. Ein Katzensprung für erfahrene Fahrer. Doch dann die Nachricht: Die direkte Verbindung ist gesperrt. Sprengarbeiten. Gesteinsschlag. Keine Durchfahrt.
Die neue Route? Über Lingshed und Sirsir La, zwei Pässe über 5.200 Meter, 300 Kilometer Offroad, durchschnittlich 30 km/h – wenn’s gut läuft.
Wir brechen früh auf. Es ist noch dunkel, als wir die ersten steinigen Kilometer in Angriff nehmen. Die Landschaft ist großartig. Doch keiner redet darüber. Alle schauen auf den Weg, auf die Reifen, auf die eigene Müdigkeit.
Die ersten Stunden gehen. Dann beginnt der Kampf.
Geröll, Sand und mentale Grenzen
Es ist kein Fahren mehr – es ist ein Reiten auf einem wilden Tier, das dich jederzeit abwerfen kann. Der Untergrund wechselt ständig: Mal tiefer Sand, dann wieder große Steine, dann Schotter. Dazu Serpentinen, Gegenverkehr, Abgründe.
Ich bin angespannt. Jeder Muskel arbeitet. Der Rücken schmerzt. Die Konzentration sinkt – aber du darfst sie nicht verlieren. Kein Moment der Unachtsamkeit. Kein Fehler.
Eine steile Passage zwingt mich zum Anhalten. Ich starre auf den Weg vor mir. Atme. Trinke einen Schluck aus der Camelbak. Und dann fahre ich weiter.
Ein Teilnehmer aus Süd Korea fällt in einer steilen Kurve. Nichts passiert – aber alle sind wach. Es ist gefährlich hier. Und trotzdem fühlt es sich richtig an.
Kleine Siege. Große Müdigkeit.

Stunde neun. Immer noch kein Leh. Immer noch Geröll, Staub, knallende Sonne. Wir alle sind stiller geworden. Keiner braucht Smalltalk. Jeder ist mit sich beschäftigt.
Doch mit jedem Meter wächst das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein. Von einer Geschichte, die man später mit glänzenden Augen erzählen wird. Einer Prüfung, die nicht viele bestehen – und die man nicht vergisst.
Als wir schließlich am späten Abend in Leh einrollen, bin ich fertig. Müde, schmutzig, durchgeschwitzt. Aber auch: erfüllt.
Ich steige vom Motorrad. Schaue in den Himmel. Und denke:
„Heute war ich wirklich lebendig.“
Leh – Klöster, Kaffee und klare Gedanken
Leh ist anders. Lebendiger. Bunter. Höher – auf 3.500 Metern liegt es in einem weiten Tal, umgeben von Schneegipfeln, durchzogen von bunten Gebetsfahnen.
Wir haben einen Ruhetag. Und zum ersten Mal seit einer Woche: ein kühles Bier. Ich sitze in einem kleinen Café, blicke auf die Straßen, in denen Touristen, Mönche und Motorradfahrer aufeinandertreffen.
Ich denke nach. Über die letzten Tage. Über mich. Und über das, was noch kommt.
Denn das große Ziel liegt noch vor uns: Umling La. 5.798 Meter. Der höchste befahrbare Pass der Welt
Dies ist Teil 3 eines mehrteiligen Reiseberichts aus dem Himalaya von Meli Schönbrodt (Kettenöl & Ravioli). Die weiteren Teile werden jeweils Mittwoch- und Samstagabend um 18 Uhr veröffentlicht. Wenn dir die Reisegeschichte gefällt oder du ein ähnliches Abenteuer erlebt hast, du Fragen an den Autor oder uns hast, dann lass uns gerne einen Kommentar da oder schreib eine Email.



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