Fahrbericht: Zontes 703F – Der neue Stern am Tourer-Himmel?
Mit der 703F bringt Zontes einen frischen Wind in die Klasse der sportlichen Tourer. Das chinesische Unternehmen, das sich in den letzten Jahren mit innovativen und hochwertig ausgestatteten Motorrädern in der Mittelklasse einen Namen gemacht hat, wagt sich mit der 703F in neue Gefilde. Und das mit Erfolg: Der erste Fahrtest zeigt, dass Zontes nicht nur optisch mit der Konkurrenz mithalten kann, sondern auch technisch einiges zu bieten hat.
Motor – Dreizylinder macht das Trio komplett
Das Herzstück der Zontes 703F ist ein flüssigkeitsgekühlter Dreizylinder-Reihenmotor mit 699 cm³ Hubraum. Er leistet satte 95 PS bei 10.000 U/min und stellt ein maximales Drehmoment von 76 Nm bei 7500 U/min bereit. Schon beim ersten Anlassen fällt der sonore Klang des Motors auf – nicht zu laut, aber kernig genug, um Emotionen zu wecken.
Im Fahrbetrieb überzeugt das Aggregat durch ein breites nutzbares Drehzahlband des Dreizylinders. Der Motor hängt sauber am Gas, reagiert spontan auf Befehle und liefert in allen Lebenslagen ausreichend Kraft. Besonders angenehm: die nahezu vibrationsfreie Laufkultur, die auch auf längeren Strecken für entspanntes Reisen sorgt. Einziges Manko ist allerdings der mechanische Gaszug, in Kombination mit den über das Steuergerät verfügbaren Fahrmodi Eco und Sport. So sorgt der Zug am Gasgriff im Eco-Modus noch für ein gleichmäßiges und wohltemperiertes Beschleunigen. Im Sport-Modus ist der erste Impuls jedoch viel zu grob und sorgt für viel Unruhe im Fahrersitz. Mit der Entscheidung einen Dreizylinder in eine Reiseenduro zu bauen hat Zontes zwar kein Alleinstellungsmerkmal, gesellt sich dadurch mit der 703 F Adventure aber in eine handverlesen kleine Runde zu den Modellen Triumph Tiger 900 und der MV Agusta LXP Enduro Veloce.
Fahrwerk – Stabilität trifft Komfort
Das Fahrwerk der 703F wurde mit Fokus auf Touring-Komfort und sportliche Ambitionen abgestimmt. Vorn arbeitet eine robuste Upside-down-Gabel, hinten ein zentral montiertes Monofederbein. Beides stammt aus dem Hause Marzocci ist ausreichend straff ausgelegt, um dynamische Fahrweise zu ermöglichen, gleichzeitig aber komfortabel genug, um auch schlechten Straßenbelag zu entschärfen. Ab Werk ist die Einstellung straff-sportlich, lässt sich aber mit einem Schraubenzieher in Zug- und Druckstufe auch nachjustieren.
In schnellen Kurven bleibt die Zontes erstaunlich stabil und vermittelt ein sicheres Fahrgefühl. Die Gewichtsverteilung ist ausgewogen, das Handling neutral. Mit ihren Leichtmetallrädern und einem 21-Zoll-Vorderrad lässt sich das Motorrad präzise dirigieren – auch wenn bei zügiger Fahrt durch das große Vorderrad etwas Nachdruck am Kurveneingang nötig sein kann. Einmal in der Spur, bleibt sie wie auf Schienen in der vorgegebenen Linie. Wer jedoch vor der Kurve knackig anbremsen will, dürfte beim ersten Mal überrascht sein, denn die Bremselemente von J.Juan an der 310-mm-Doppelscheibe vorn und der 265-mm-Einzelscheibe am Hinterrad, verzögern etwas weniger direkt als von sportlichen Reisenenduros wie der BMW F 900 GS oder der Yamaha Ténéré gewohnt und verlangen sofort einen robusten und wenig zögerlichen Zugriff. Greift man sofort beherzt zu, verzögert die Zontes 703F Adventure dann auch dank des Zweikanal-ABS von Bosch zügig und sicher.
Abmessungen – Groß, aber nicht sperrig
Mit einer Länge von etwa 2. 355 mm, einer Sitzhöhe von 845 mm und einem Radstand von 1.565 mm gehört die Zontes 703F zu den großvolumigen Tourern. Doch trotz der eindrucksvollen Erscheinung wirkt sie in keiner Situation unhandlich. Selbst kleinere Fahrer:innen kommen gut mit ihr zurecht, auch dank der schlanken Taille und dem relativ niedrigen Schwerpunkt.
Der ergonomisch gestaltete Sitz bietet viel Platz und Komfort für Fahrer und Sozius, die breite Sitzbank erlaubt auch nach mehreren Stunden ermüdungsfreies Fahren. Der Windschutz durch die große, elektrisch verstellbare Frontscheibe ist ausreichend, aber nicht hervorragend– Turbulenzen und Winddruck werden jedoch zuverlässig minimiert.
Fahrleistungen – Dynamik trifft Effizienz
Mit einem Gewicht von rund 236 Kilogramm fahrbereit zeigt sich die Zontes 703F erstaunlich agil. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h gelingt in selbstgemessenen 4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei etwa 200 km/h – mehr als ausreichend für ausgedehnte Autobahn-Etappen und sportliches Überholen auf der Landstraße.
Gleichzeitig bleibt der Verbrauch erfreulich niedrig. Im Test pendelte sich der durchschnittliche Verbrauch bei 5,2 Litern auf 100 km ein – ein guter Wert für ein Motorrad dieser Klasse. Der 22-Liter-Tank sorgt für eine praxisnahe Reichweite von knapp 400 Kilometern, ideal für Tourenfahrer, die nicht ständig nach der nächsten Tankstelle suchen wollen.
Ausstattung – Oberklasse zum Mittelklassepreis
Zontes ist bekannt dafür, seine Motorräder serienmäßig mit vielen Features auszustatten – und die 703F bildet da keine Ausnahme. Bereits ab Werk sind dabei:
- Elektrisch verstellbare Windschutzscheibe
- Keyless-Go-System
- Voll-LED-Beleuchtung inklusive adaptivem Kurvenlicht
- TFT-Farbdisplay mit Smartphone-Connectivity
- Reifendruckkontrollsystem
- USB-C- und USB-A-Ladeanschlüsse
- ABS von Bosch
- Traktionskontrolle
Das riesige TFT-Display überzeugt mit großzügiger und moderner Optik, intuitiver Menüführung und vollständiger Smartphone-Integration via Bluetooth. Navigationsanzeige, Musiksteuerung und Anrufannahme funktionieren allerdings nur mit der Zontes App, die zwar auf dem Smartphone installiert, in Europa jedoch nocht benutzt werden kann. Der Windschild lässt sich stufenlos elektrisch verstellen und ein Reifendruckkontrollsystem samt Anzeige der Reifentemperatur sind ebenfalls an Bord. Praktisch oder nervig, je nachdem was man bevorzugt, ist das Keyless-Go-System. Das sorgt nämlich nicht nur dafür, dass sich das Motorrad starten lässt, sobald der Schlüssel in der Nähe ist, sondern sorgt auch für das Ausschalten der Zündung, sobald man sich mit Schlüssel entfernt.
Offroad-Ambitionen eher zurückhaltend
Wer die Zontes als Offroader kauft um die TETs und ACTs dieser Welt zu fahren, wird ob des hohen Gewichts und des straffen Fahrwerks möglicherweise enttäuscht sein. Wer sich jedoch gelegentlich auf eine Etappe über schönsten skandinavischen Schotter oder trockene Waldwege wagt, der dürfte nicht enttäuscht werden. Dafür sind die 180 mm Federweg vorn und hinten mehr als ausreichend. Auch dass sich Traktionskontrolle und Hinterrad-ABS abschalten lassen stehen einem Ausflug in seichte Reiseenduro und Adventure-Bike Gefilde nicht im Weg. Ein übriges tut die mehr als ordentliche Bereifung mit dem Michelin Anakee Adventure. Die Halbstolle ist auf der Straße und im Gelände bei trockenen und warmen Verhältnissen seit jeher eine Bank und macht auch auf der Zontes einen außerordentlich guten Job.
Preis – Das beste Argument
Das vielleicht stärkste Verkaufsargument der Zontes 703F ist ihr Preis. Für knapp 9.499 Euro (UVP in Deutschland, Stand Mitte 2025) erhält man einen (fast) vollwertigen Tourer mit großzügiger Ausstattung, kräftigem Motor und überzeugender Qualität. Vergleichbare Modelle etablierter Hersteller sind meist mehrere Tausend Euro teurer – oft ohne dabei einen echten Mehrwert zu bieten.
Zontes hat es geschafft, ein Motorrad zu bauen, das nicht nur auf dem Papier überzeugt, sondern auch im realen Fahrbetrieb. Die Verarbeitung wirkt solide, das Design ist modern und eigenständig, und der Preis-Leistungs-Faktor ist kaum zu schlagen.
Fazit: Der Geheimtipp für Tourenfans
Die Zontes 703F ist mehr als nur ein günstiger Einstieg in die Welt der großen Tourer – sie ist ein ernstzunehmender Mitbewerber mit überzeugender Technik, üppiger Ausstattung und einem extrem attraktiven Preis. Sie richtet sich an alle, die ein leistungsstarkes, komfortables und zuverlässiges Motorrad für Alltag und Abenteuer suchen, ohne dafür ein Vermögen auszugeben.
Ob der chinesische Hersteller damit den verwöhnten Markt europäischer Reiseenduristen und Tourer im Sturm erobern kann darf bezweifelt werden, am Motorrad würde es dann allerdings kaum noch scheitern.
Wer bereit ist, den Namen Zontes nicht nur als „Newcomer“, sondern als ernstzunehmende Alternative wahrzunehmen, wird mit der 703F ein Motorrad entdecken, das in vielerlei Hinsicht überrascht – im positiven Sinne.



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