BMW K1600 B – Oberklasse-Außendienstler

Der Erstkontakt mit dem Dauertester könnte kontrastreicher kaum sein. Nach einer mehrstündigen Fahrt durch Regen, Wind und Nebel in die Redaktion, durchgeführt auf einem halbverkleideten Sportler, stand am nächsten Tag die Rückfahrt auf dem vollverkleideten Reiseraumschiff BMWs auf dem Programm. Der Ausblick auf Wohnzimmersesselergonomie samt 10-Zoll-TFT, Komfortsitzbank, Fußbretter und vor allem die Griffheizung sorgten schon für warme Gefühle, bevor der säuselnde Sechszylinder überhaupt gestartet wurde. Und dennoch war mein erster Eindruck nicht vollkommen ungetrübt. 344 Kilo Gewicht (vollgetankt) und der wirklich mächtige optische Auftritt können auch Vielfahrer und auf großen Cruisern geübte Fahrer beeindrucken.
Vielbesungener Sechszylinder – zurecht!
Über den viel besungenen und äußerst kultiviert laufenden Sechszylinder müsste man eigentlich kaum noch was schreiben. Der Motor leistet bei 6.750 Umdrehungen 160 PS Leistung und hat schon etwas vorher, bei 5.250 Umdrehungen sein maximales Drehmoment von 180 Nm. Um die enorme Kraft zu spüren muss man den Motor jedoch kaum so hoch drehen. Bereits bei kleiner Fahrt und niedertourig merkt man, dass die 6 Zylinder jederzeit enorme Kräfte freisetzen können. Das sorgt im Stadtverkehr für ein Gefühl der Souveränität, auf der Landstraße für Fahrspaß ohne Schaltorgien und Autobahnetappen schrumpfen zumindest gefühlt zur Kurzstrecke zusammen. Es sind die selben Gründe, weshalb der Sechszylinder nicht nur in den Kombis der Außendienstler lange äußerst beliebt war, sondern auch im Aluminium-Brückenrahmen der K1600 oder als Boxer in der Honda Goldwing von einer aufrichtig enthusiastischen Fangemeinde bejubelt wird.
Ausstattung aus der Oberklasse
Und dennoch ist der Motor nicht der einzige Hauptdarsteller. Die Ausstattung ist so konsequent auf Komfort und Oberklasse-Ambiente getrimmt, dass auch nach längsten Fahrtagen (10 Stunden und mehr) in wärmere Gefilde, weder der Körper kalt oder müde wird (Griffheizung elektrisch verstellbarer Windschild sei Dank), Rücken und Gesäß nicht negativ zu spüren sind und man dank des gigantischen 10-Zoll-TFT-Displays samt Navigation, Multimediabedienung und kräftiger Lautsprecher nicht nur zeitig, sondern auch gut unterhalten am Ziel ankommt. Sehr positiv fällt dabei auf, dass sich Handy und Motorrad nach dem erstmaligen Einrichten und verbinden immer wieder problemlos finden und ohne die üblichen „Verbindung getrennt“- oder „Smartphone nicht gefunden“-Spielchen auskommen. Einziges Manko der BMW K 1600 B dürfte damit die enorme Wuchtigkeit sein und die behäbige Handhabung bei engen Wendemanövern oder beim Schieben. Für ein Motorrad, dass allerdings vorwiegend auf den Langstreckeneinsatz auf Landstraßen und Autobahnen ausgelegt ist, dürfte das jedoch zu verschmerzen sein.
Fazit
Angesichts des außergewöhnlich hohen Komforts, des fantastischen Motors und der umfangreichen und verhältnismäßig einfach zu bedienenden Ausstattung ist auch der Preis von ab 26.890 Euro zu rechtfertigen. Und ich bin mir sicher: würden Chefs und Außendienstler zukünftig auf Motorrädern durch die Republik reisen – ein Großteil säße auf einer BMW K 1600 B.



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